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Was macht einen Rennradhelm aus?
Ein Rennradhelm ist ein Fahrradhelm, der auf lange, zügige Ausfahrten auf Asphalt ausgelegt ist. Er hat meist große Lüftungsöffnungen, ein flaches Profil und ein Verstellsystem am Hinterkopf. Schirm oder Licht fehlen häufig. Das spart Gewicht, ist aber nicht für jeden Alltag ideal.
Wie jeder Fahrradhelm in der EU muss auch ein Rennradhelm die Norm EN 1078 erfüllen. Sie prüft den Aufprall senkrecht auf eine Fläche. Rotationskräfte bei schrägen Stürzen sieht die Norm nicht vor. Das sagt auch die Stiftung Warentest in ihrem Interview zum Helmtest (online veröffentlicht am 21.03.2024). Für diese Lücke gibt es Rotationsschutz-Systeme wie MIPS, mehr dazu weiter unten und im MIPS-Vergleich.
Warum der Helm zählt: Laut Statistischem Bundesamt kamen 2025 in Deutschland vorläufig 462 Radfahrende im Straßenverkehr ums Leben. Das entspricht 16,4 % aller Verkehrstoten, also etwa jedem sechsten (Pressemitteilung vom 27.04.2026). Die Zahl sagt nichts über einzelne Helmmodelle aus. Sie zeigt aber, dass Kopfschutz kein Randthema ist.
Vergleichstabelle: Rennradhelme auf einen Blick
| Modell | Einsatz | Norm | Rotationsschutz | Gewicht laut Hersteller | Größen (cm) | Licht/Visier | Externer Test | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| ABUS Macator | Einstieg, Straße, Training | EN 1078* | nein | 300 g (Gr. M) | S, M, L; M: 52–58 | Abnehmbarer Schirm | – | Preis prüfen* |
| ABUS Macator MIPS | Einstieg, Straße, leichtes Gelände | EN 1078* | MIPS | 320 g (Gr. M) | S, M, L; M: 52–58, L: 58–62 | Abnehmbarer Schirm | – | Preis prüfen* |
| uvex air Wing | Freizeit, Straße | EN 1078* | nein | k. A. | 56–60 (Variante) | Plug-in-LED nachrüstbar | – | Preis prüfen* |
| uvex Stride | Freizeit, Straße | EN 1078* | nein | k. A. | 56–59 (Variante), drei Größen | Plug-in-LED nachrüstbar | – | Preis prüfen* |
| POC Omne Air MIPS | Straße, Gravel, Pendeln | EN 1078* | MIPS Air Node | 340 g (Händlerangabe) | 50–56, 54–59, 56–61 | Brillenhalter | – | Preis prüfen* |
| POC Ventral Air MIPS | Straße, Gravel, Berge | EN 1078* | MIPS Air Node | 220 g (Händlerangabe) | 50–56, 54–59, 56–61 | Brillenhalter | – | Preis prüfen* |
| ABUS AirBreaker | Rennen, Leistungsfahrten | EN 1078* | nein | 210 g (Gr. M) | S, M, L; M: 52–58 | Kein Schirm, kein Licht | – | Preis prüfen* |
| Giro Syntax MIPS | Straße, leichter Schotter | EN 1078* | MIPS (Roc Loc 5 Air Mips) | 296 g | k. A. | k. A. | – | Preis prüfen* |
Worauf es bei einem Rennradhelm ankommt
Wir gewichten die Kriterien so, wie es unsere Methodik beschreibt (So vergleichen wir): Schutz 40 %, Passform 25 %, Komfort 20 % und Ausstattung 15 %. Für Rennradhelme heißt das konkret:
Gewicht: Wie viel zählt es wirklich?
Die Spanne in diesem Vergleich ist groß. Der ABUS AirBreaker wiegt laut Hersteller 210 g (Größe M), der Macator MIPS 320 g und der POC Omne Air MIPS laut Händlerangabe 340 g. Auf einer zweistündigen Ausfahrt merkst du 100 g am Nacken kaum, auf einer Tagestour eher. Wichtiger als das Grammgewicht ist, wie der Helm sitzt: Ein gut eingestellter 320-g-Helm drückt weniger als ein schlecht sitzender 220-g-Helm. Gewicht ist außerdem kein Schutzmerkmal. Leichte Modelle sind nicht automatisch schlechter, aber auch nicht automatisch besser geschützt.
Aerodynamik oder Belüftung?
Ein Aerohelm hat wenige, kleine Öffnungen und eine glatte Form. Er reduziert den Luftwiderstand, staut aber bei niedrigem Tempo Wärme. Ein klassischer Belüftungshelm hat viele große Öffnungen und kühlt besser, vor allem am Berg. Die meisten Modelle hier liegen dazwischen:
- Der ABUS AirBreaker setzt laut ABUS auf ein „Multi Speed Design“ mit Wabenstruktur. Es soll die Belüftung an das Tempo anpassen.
- Der POC Ventral Air MIPS hat laut Hersteller ein Profil mit optimierter Abströmkante für weniger Turbulenzen und zugleich Luftkanäle im Inneren. POC nennt ihn für Straße und Gravel.
- Der Giro Syntax MIPS hat laut Amazon-Angaben 25 Belüftungskanäle und eine tiefere Abdeckung als ein reiner Rennradhelm.
- Die uvex-Modelle air Wing und Stride sind Allround-Helme, keine Aerohelme.
Belastbare Messwerte zu Luftwiderstand oder Kühlleistung pro Modell haben wir nicht gefunden, und Herstellerangaben dazu sind Eigenaussagen. Deshalb bewerten wir sie nicht als Vorteil, sondern beschreiben nur die Bauweise. Für Alltag, Training und Touren bis in die Mittelgebirge ist ein gut belüfteter Allrounder die sichere Wahl. Erst bei Rennen und sehr hohem Tempo spielt Aerodynamik eine Rolle.
Rotationsschutz bei Rennradhelmen
Bei Stürzen mit dem Rennrad schlägt der Kopf oft schräg auf. Dann wirken Drehkräfte auf das Gehirn. Systeme wie MIPS, die eine Gleitschicht im Helm einbauen, sollen diese Kräfte verringern. Die Studienlage ist differenziert: Eine Laborstudie (Baker et al., Annals of Biomedical Engineering, 2024) verglich drei Helmmodelle jeweils mit und ohne MIPS. MIPS senkte die Rotationskennwerte deutlich, die gerade Aufprallbelastung aber nicht signifikant. Nicht jeder MIPS-Helm zählte zur Spitzengruppe, neun der besten Helme hatten MIPS. Die Stiftung Warentest schreibt dagegen in einer Meldung auf test.de, MIPS und ähnliche Systeme garantierten keinen besseren Schutz; unter den geprüften Helmen mit Rotationsschutz habe nur ein Modell („Alpina Gent Mips“) mit „gut“ im Schutz abgeschnitten.
Unser Fazit: MIPS ist ein sinnvoller Zusatz, ersetzt aber keine gute Stoßdämpfung und keinen sicheren Sitz. Eine ausführliche Einordnung findest du im MIPS-Vergleich und im Ratgeber Was ist MIPS?.
Die Modelle im Einzelnen
- Laut Hersteller Luftkanäle im Inneren und aerodynamisches Profil
- MIPS Air Node als Rotationsschutz
- Brillenhalter („Eye Garage“) vorn
- Kein Schirm, kein Licht
- Gewicht nur als Händlerangabe belegt
Der Ventral Air ist POCs Straßenmodell mit Gravel-Freigabe. Der Hersteller beschreibt eine Abströmkante von 22° (CFD-gestaltet) und Luftkanäle im Schaum. Das sind Konstruktionsangaben, keine unabhängigen Messwerte. Für uns ist er die Empfehlung, weil er Rotationsschutz, geringes Gewicht und viel Belüftung verbindet. Mehr zur Marke: POC im Überblick.
- MIPS Air Node in die Polster integriert
- Belüftungskanäle und schlankes Profil
- Brillenhalter vorn
- Laut Händlerangabe schwerer als der Ventral Air
- Kein Schirm
Der Omne Air ist der vielseitigere der beiden POC-Helme. POC nennt Pendeln, Rennrad und Gravel als Einsatzfelder. Er passt, wenn du nicht ausschließlich schnelle Straßenrunden fährst. Wie er sich auf Schotter schlägt, steht im Gravel-Helm-Vergleich.
- MIPS-Schicht zwischen Polster und Schale
- Öffnung im Verstellsystem für Zopf oder Dutt
- Abnehmbarer Schirm, Insektennetz
- Mit 320 g (Gr. M) schwerer als Leichtbau-Modelle
- Kein Licht
Der Macator MIPS ist laut ABUS ein sportlicher Einstiegshelm für die meisten Strecken. Der Schirm wird mit Stiften befestigt und lässt sich weglassen. Das macht ihn für Pendelstrecken und Gravel interessant. Die Preis-Leistungs-Einordnung beruht auf Ausstattung und Rotationsschutz. Details: ABUS Macator und ABUS im Überblick.
Den Macator MIPS bei Amazon ansehen*- Laut Hersteller 300 g in Größe M
- Abnehmbarer Schirm, Insektennetz
- Zoom-Spin-Rad, Platz für Zopf
- Kein Rotationsschutz
- Nur drei Größen (S, M, L)
Der Macator ohne MIPS ist unser Budget-Tipp. Er unterscheidet sich vom MIPS-Modell nur durch die Gleitschicht und 20 g Gewicht. Wenn dein Budget knapp ist, ist ein gut sitzender Helm ohne MIPS besser als ein schlecht sitzender mit MIPS.
- Laut Hersteller 210 g in Größe M
- „Multi Speed Design“ mit Wabenstruktur für variable Belüftung
- Flow Straps für ein ruhiges Gurtbild
- Kein Rotationsschutz
- Kein Schirm, kein Licht; Fokus auf Wettkampf
Der AirBreaker ist der leichteste Helm im Vergleich. ABUS richtet ihn an den professionellen Radsport. Wer vor allem auf Gewicht und Luftzug achtet, bekommt hier die konsequenteste Lösung, muss aber auf Rotationsschutz verzichten.
- 25 Belüftungskanäle laut Amazon-Angaben
- Roc Loc 5 Air Mips: Verstellsystem mit Rotationsschutz
- Feuchtigkeitsableitende Polster
- Größen und Norm nicht belegt (k. A.)
- Kein Schirm, kein Licht
Der Syntax deckt laut Giro mehr Kopfbereich ab als ein reiner Rennradhelm. Das passt zu Mischfahrern. Eine eigene Seite zum Modell findest du unter Giro Syntax.
- 3D-IAS-2.0-System mit Höhenverstellung
- FAS-Gurtband stufenlos einstellbar
- Herausnehmbare, waschbare Polster
- Kein Rotationsschutz
- Kein Licht im Lieferumfang (nachrüstbar)
Der air Wing ist ein Allrounder mit Rennrad-Anmutung. Die Passform lässt sich fein einstellen. Er eignet sich, wenn du auch im Alltag fährst.
- Robuste Außenschale aus Polycarbonat
- Drei Größen für besseren Sitz
- Plug-in-LED und Reflexband nachrüstbar
- Kein Rotationsschutz
- Gewicht nicht belegt (k. A.)
Der Stride ist ein robuster Alltagshelm mit sportlichem Auftritt. Für schnelle Straßenrunden ist er weniger spezialisiert als die POC-, ABUS-AirBreaker- oder Giro-Modelle.

Präzise platzierte Luftöffnungen und interne Luftstromkanäle liefern außergewöhnliche Kühlung…
Für wen welcher Helm?
- Zügig und leicht: POC Ventral Air MIPS oder ABUS AirBreaker. Beim AirBreaker ohne Rotationsschutz.
- Mix aus Straße und Schotter: POC Omne Air MIPS, Giro Syntax MIPS oder ABUS Macator MIPS. Mehr im Gravel-Helm-Vergleich.
- Einstieg mit kleinem Budget: ABUS Macator. Mit MIPS: ABUS Macator MIPS.
- Alltag und Freizeit: uvex air Wing oder Stride. Wenn du nur in der Stadt fährst, sieh dir die Cityhelme an.
- Du fährst auch im Gelände: Dann schau in den MTB-Helm-Vergleich.
Rennradhelm Damen: Worauf Frauen achten sollten
Die meisten Rennradhelme sind Unisex-Modelle. Ein eigener Damenhelm ist selten nötig, denn für den Sitz zählt der Kopfumfang, nicht das Geschlecht. Trotzdem gibt es Punkte, die gerade Fahrerinnen oft betreffen:
- Kleinere Größen: POC bietet Größe S mit 50–56 cm Kopfumfang, ABUS führt Macator, Macator MIPS und AirBreaker in S, M und L.
- Zopf und Dutt: Das höhenverstellbare Zoom-Ace-System der ABUS-Modelle lässt laut ABUS Platz für Zopf, Dutt oder geflochtenes Haar. Bei Modellen ohne solche Aussparung trägst du den Zopf am besten tief.
- Sonnenbrille: Die POC-Modelle haben einen Brillenhalter („Eye Garage“) vorn.
Weitere Modelle für Frauen findest du im Damen-Helm-Vergleich.
Rennradhelm Herren: Passform bei größeren Köpfen
Bei Herren liegt der Kopfumfang häufiger im oberen Größenbereich. Dort sind die Auswahl und die Unterschiede in der Passform wichtiger als der Preis. Prüfe daher zuerst die Größenspanne:
- POC L: 56–61 cm bei Omne Air MIPS und Ventral Air MIPS.
- ABUS Macator MIPS L: 58–62 cm laut Amazon-Angebot.
- uvex air Wing in der angebotenen Variante: 56–60 cm.
Eine Rolle spielt auch die Kopfform. Manche Modelle sitzen eher oval, andere eher rund. Ein Helm mit Höhenverstellung und stufenlosem Gurtband gleicht Unterschiede besser aus. Das Passform-Thema vertiefen wir im Ratgeber Fahrradhelm-Größe. Allgemeine Modelle findest du im Herren-Helm-Vergleich.
Größe und Passform
Miss deinen Kopfumfang mit einem Maßband etwa zwei Finger über den Augenbrauen. Wähle dann die Größe, in der dein Wert im mittleren Drittel des Bereichs liegt. Der Helm sitzt richtig, wenn er waagerecht auf der Stirn aufliegt, nicht wackelt und der Kinnriemen sich nur einen Finger breit verschieben lässt. Hilfe bietet unser Helmfinder. Details im Ratgeber Fahrradhelm-Größe. Wie lange ein Helm hält, steht unter Haltbarkeit.
Was externe Tests sagen
Für die hier verglichenen Rennradhelme haben wir keine aktuellen Ergebnisse der Stiftung Warentest oder des ADAC gefunden, die wir seriös zuordnen könnten. Die Stiftung Warentest hat zuletzt City- und Alltagshelme geprüft (online veröffentlicht 21.03.2024). Rennradhelme sind dort nicht das Thema, die Noten stehen hinter einer Bezahlschranke. Allgemein zeigt die Prüfung: Die Hersteller haben auf frühere Tests reagiert, heute sparen kaum noch Helme die Schläfen aus. Der seitliche Aufprall bleibt für viele Helme die größte Herausforderung.
Als weitere Orientierung dient das STAR-Verfahren der Virginia Tech. Dort wird jeder Helm in 24 Aufpralltests an 6 Stellen geprüft und danach mit Sternen bewertet. Empfohlen werden 4 und 5 Sterne. Wir haben die einzelnen Sterne der hier genannten Modelle nicht geprüft und nennen sie deshalb nicht. Mehr zu Prüfungen in unserer Übersicht Fahrradhelm-Testergebnisse. Wie wir selbst vorgehen, steht unter So vergleichen wir.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Rennradhelm und einem normalen Fahrradhelm?
Rennradhelme sind leichter, haben größere Lüftungsöffnungen und meist keinen Schirm. Sie erfüllen wie alle Fahrradhelme die Norm EN 1078. Für den Alltag sind Cityhelme mit Licht und Schirm oft praktischer.
Brauche ich beim Rennrad einen Helm mit MIPS?
Nötig ist MIPS nicht, die Norm EN 1078 schreibt es nicht vor. Eine Laborstudie (Baker et al., 2024) zeigt, dass MIPS die Rotationskennwerte senken kann. Die Stiftung Warentest sagt aber, solche Systeme garantierten keinen besseren Schutz.
Wie schwer sollte ein Rennradhelm sein?
Die Modelle in diesem Vergleich wiegen laut Herstellern- und Händlerangaben zwischen 210 g und 340 g. Entscheidend ist, dass der Helm gut sitzt und nicht drückt.
Sind Aerohelme besser als belüftete Helme?
Aerohelme senken den Luftwiderstand, stauen aber bei niedrigem Tempo Wärme. Für Training, Touren und Berge ist ein gut belüfteter Helm meist die bessere Wahl. Messwerte pro Modell liegen uns nicht vor.
Gibt es spezielle Rennradhelme für Damen?
Die meisten Modelle sind Unisex. Wichtig sind kleine Größen, Platz für Zopf oder Dutt und eine gute Verstellung. POC bietet Größe S mit 50–56 cm Kopfumfang.
Wie oft sollte ich meinen Rennradhelm wechseln?
Nach einem Sturz oder sichtbaren Schäden sofort. Sonst nach einigen Jahren, weil Schaum und Gurte altern. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Haltbarkeit.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr 2025 war mit dem Fahrrad unterwegs (Pressemitteilung, 27.04.2026)
- Baker, C. E. et al.: How Well Do Popular Bicycle Helmets Protect from Different Types of Head Injury? Annals of Biomedical Engineering 52 (2024), S. 3326–3364
- Stiftung Warentest: Fahrradhelme für Erwachsene im Test (online veröffentlicht 21.03.2024)
- test.de: Fahrradhelme im Test der Stiftung Warentest – Welche Helme wirklich sicher sind (Meldung vom 04.08.2026)
- Virginia Tech Helmet Lab: Bicycle Helmet Ratings (STAR-Verfahren)
- ABUS: Macator MIPS, Macator, AirBreaker (Herstellerseiten)
- Händlerangaben zu Gewicht und Größen POC Omne Air MIPS und Ventral Air MIPS (Sport Conrad)
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